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Workshop Stärken – stärkenbasierte Führung in Teams

In der vergangenen Woche haben zwei unserer denkmodell Kolleg*innen, Philipp Scharff und Julia von Kanitz, einen internen Workshop zum Thema „Stärken“ gegeben. Diesen Workshop bieten sie vor allem für Führungskräfte an, die sich mit dem Thema „stärkenbasierte Führung“ auseinandersetzen. Stärkenbasierte Führung meint dabei, sich auf die Stärken der Mitarbeitenden zu fokussieren, diese zu fördern und weiterzuentwickeln, um die Potenziale der Mitarbeitenden zu entfalten. Oft wird (unbewusst) leider ein anderer Weg gewählt: Führungskräfte versuchen, Schwächen der Mitarbeitenden zu identifizieren und „auszubügeln“ – diese Defizitorientierung sorgt meist für Frust und Enttäuschung.

Bei denkmodell haben wir den Workshop als Anlass zum internen Teambuilding und zur Weiterbildung genommen. Im Folgenden ein paar Impulse aus dem Workshop:

Warum wir beim Einstieg auch über Pinguine und Horoskope sprachen

Als Mitmach-Voraussetzung mussten alle Teilnehmenden im Vorfeld den Gallup Stärkentest  machen (online, dauert etwa 30 Minuten, Kostenpunkt ca. 20 Euro). Mithilfe des Tests erfährt jede*r seine*ihre eigenen Top 5 Stärken inklusive Lektüre zu Definitionen, Erläuterungen und Handlungsempfehlungen. Gesagt, getan – alle denkmodeller*innen kamen mit den Testergebnissen zum Workshop! Das hat schon mal geklappt.

Philipp Scharff öffnete mit den Worten „Dieser Workshop ist ein Startpunkt für die Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken. Es ist ein Impuls, um über Stärken ins Gespräch zu kommen.“ – dann las er uns die Geschichte vom Pinguin von Eckhard von Hirschhausen vor:

„Diese Geschichte ist mir tatsächlich passiert. Ich war als Moderator auf einem Kreuzfahrtschiff engagiert. Da denkt jeder: „Mensch toll! Luxus!” Das dachte ich auch. Bis ich auf dem Schiff war. Was das Publikum angeht, war ich auf dem falschen Dampfer. Die Gäste an Bord hatten sicher einen Sinn für Humor, ich hab ihn nur in den zwei Wochen nicht gefunden. Und noch schlimmer: Seekrankheit hat keinen Respekt vor der Approbation. Kurzum: ich war auf der Kreuzfahrt kreuzunglücklich.

Endlich! Nach drei Tagen auf See, fester Boden. „Das ist wahrer Luxus!” Ich ging in einen norwegischen Zoo. Und dort sah ich einen Pinguin auf seinem Felsen stehen. Ich hatte Mitleid: „Musst du auch Smoking tragen? Wo ist eigentlich deine Taille? Und vor allem: hat Gott bei dir die Knie vergessen?” Mein Urteil stand fest: Fehlkonstruktion.

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Dann sah ich noch einmal durch eine Glasscheibe in das Schwimmbecken der Pinguine. Und da sprang „mein“ Pinguin ins Wasser, schwamm dicht vor mein Gesicht. Wer je Pinguine unter Wasser gesehen hat, dem fällt nix mehr ein. Er war in seinem Element! Ein Pinguin ist zehnmal windschnittiger als ein Porsche! Mit einem Liter Sprit käme der umgerechnet über 2500 km weit! Sie sind hervorragende Schwimmer, Jäger, Wasser-Tänzer! Und ich dachte: „Fehlkonstruktion!”
Diese Begegnung hat mich zwei Dinge gelehrt. Erstens: wie schnell ich oft urteile, und wie ich damit komplett daneben liegen kann. Und zweitens: wie wichtig das Umfeld ist, ob das, was man gut kann, überhaupt zum Tragen kommt.

Wir alle haben unsere Stärken, haben unsere Schwächen. Viele strengen sich ewig an, Macken auszubügeln. Verbessert man seine Schwächen, wird man maximal mittelmäßig. Stärkt man seine Stärken, wird man einzigartig. (…) Menschen ändern sich nur selten komplett und grundsätzlich. Wenn du als Pinguin geboren wurdest, machen auch sieben Jahre Psychotherapie aus dir keine Giraffe. Also nicht lange hadern: Bleib als Pinguin nicht in der Steppe. Mach kleine Schritte und finde dein Wasser. Und dann: Spring! Und Schwimm!
Und du wirst wissen, wie es ist, in Deinem Element zu sein.“

Es folgte eine kleine Aufstellungsübung mit den folgenden Fragen:

  • Wie gut könnt ihr euch mit euren Top 5 Stärken identifizieren? Wie sehr treffen diese auf das zu, was ihr bereits von euch kennt? (Was hat ggf. zu Irritationen geführt?)
  • Wie wohl fühlt ihr euch damit, eure Stärken mit anderen zu teilen?

Schnell stellten wir fest: Der Umgang mit unseren Stärken hat auch viel mit eigenen Glaubenssätzen und Wertesystemen zu tun. Außerdem schenken wir Stärken, die bei uns besonders stark ausgeprägt sind, keine besondere Bedeutung – weil sie uns ausmachen, zu uns gehören und im Selbstbild als „normal“ eingeschätzt werden. Skeptische Stimmen fragten sich, ob die Top 5 Stärken nicht ein wenig wie Horoskope sind – beim Lesen spricht uns manches daraus an, anderes eben nicht. Auch Ihnen möchten wir an dieser Stelle empfehlen, den Test (sollten Sie ihn machen wollen) nicht als „Wahrheit“ zu verstehen.

Die Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken im Fremdbild und in der Selbstreflexion

Es folgte eine sehr wertschätzende erste Übung: In wechselnden Zweier-Konstellationen durften wir verraten, welche Stärken wir bei unserem jeweiligen Gegenüber erkennen (ohne dabei auf die Gallup Stärken achten zu müssen). Diese Übung brachte viel positive Energie!

Im nächsten Schritt ging es in die Selbstreflexion. Mit unseren Testergebnissen und einer Metaplanwand ausgestattet, bekamen wir ausreichend Zeit, uns individuell entlang von Leitfragen mit unseren Stärken auseinanderzusetzen. Fragen waren u.a.:

  • In welchen beruflichen Situationen hast du deine Stärken erleben / ausleben können?
  • Was ist der Kern dessen, was du dabei gerne tust?
  • In welchem Umfeld kommt diese Stärke besonders zum Tragen?  

Dann sprachen wir in Kleingruppen über das Reflektierte. Teilweise gab es hier einen sehr intensiven, tiefergehenden Austausch. Besonders schön war es, wenn Kolleg*innen von den konkreten Situationen sprachen und plötzlich die Augen zu leuchten begannen.

In einer zweiten Runde tauchten wir erneut in eine Selbstreflexion ein. Dieses Mal sollten wir alle Tätigkeiten, für die wir bezahlt werden, notieren und schließlich zuordnen, welche Stärken wir bei diesen Tätigkeiten ausleben können bzw. bei welchen Tätigkeiten wir unsere Stärken kaum oder nur wenig ausleben können.

Im Anschluss gab es auch hier eine Vorstellung in Kleingruppen mit Austausch und Fragen.

Nach den zwei Runden waren viele von uns „voll – im Kopf und im Herzen“. Dennoch blieb die Frage offen: Wie weiter damit? Wir haben schnell beschlossen, diesen oder einen ähnlichen Test nochmal im Gesamtteam zu machen (leider konnten nicht alle denkmodeller*innen dabei sein). Außerdem möchten wir diese Art des Austausches über Stärken noch mehr in unsere bereits bestehenden Peer-Feedback-Routinen einbauen. Vor allem aber möchten wir in Projekttandems oder Projektteams gezielter auf die Besetzung schauen – auch mit Blick auf heterogene, sich ergänzende Stärken. Wir bleiben also am Ball!

Ich darf verraten, dass es uns schwer fiel, nicht in die Diskussion „Was fehlt uns denn an Stärken?“ abzudriften – das war an diesem Tag nicht Ziel des Workshops, obwohl es in der Zukunft durchaus sinnvoll sein kann, auch dort nochmal genauer hinzuschauen.

Passend zum Thema …

Und zu guter Letzt noch eine Ted-Talk-Empfehlung – passend zum Thema:

Wir hoffen, die Impulse helfen Ihnen, bei der eigenen Auseinandersetzung mit Ihren Stärken. Wertschätzende Gespräche unter Kolleg*innen oder/und von Führungskraft zu Kolleg*in sollten für unseren Geschmack viel öfter Zeit und Raum finden. Probieren Sie uns aus – und schreiben Sie uns gern über Ihre Erfahrungen. Wir freuen uns, wie immer, über Feedback, Kommentare oder Mail.

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