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Methodenimpulse für Reflexion & Planung – täglich, jährlich & in der Beratung

Zu Jahresende oder Jahresanfang finden viele Menschen oft ein wenig Ruhe und Zeit für eine Reflexion – Was war? Was ist? Was kann?. Auch bei denkmodell gehört Reflexion in den „typischen“ Beratungsalltag. Der „Gestalt-Ansatz“, mit dem wir arbeiten, empfielt, jeden Prozess abzuschließen – beispielsweise mit einer Reflexion. Wir glauben, dass es diesen „Abschluss“ braucht, um nicht irgendwann „verstopft“ und mit vollem Kopf von einem Projekt zum nächsten zu hetzen.

In diesem Blogartikel möchten wir Ihnen ein paar Impulse für persönliche Reflexionsräume an die Hand geben – manche Übungen eignen sich für das tägliche Reflektieren, andere sind eher „langfristig“.

Lebenshüte

Eine Methode für die jährliche Reflexion und Planung ist die persönliche Jahresplanung von Lothar J. Seiwert (vgl. Lothar J. Seiwert: Wenn du es eilig hast, gehe langsam – das neue Zeitmanagement in einer beschleunigten Welt, campus Verlag, 2000, S. 129ff.). Dabei wird als Ausgangspunkt das Balance Modell mit den vier Lebensbereichen Körper, Leistung, Kontakt und Sinn empfohlen sowie das Konzept der Lebensrollen. Es ist recht einfach:

Sie überlegen sich, was Sie in den jeweiligen Bereichen erreichen wollen (seien Sie dabei so spezifisch, realistisch und dennoch ambitioniert wie möglich und halten Sie fest, woran Sie erkennen, dass Sie Ihr Ziel erreicht haben). Dann überlegen Sie sich, welche Lebenshüte bzw. Lebensrollen Sie begleiten (Sind Sie beispielsweise Beratende? Partner*in? Mutter/Vater?) – notieren Sie diese Hüte und halten Sie auch hier fest, was sie konkret tun oder anders machen möchten. Schauen Sie mindestens quartalsweise im Jahr auf Ihre Reflexion und lassen Sie sich dadurch motivieren. Am Ende des Jahres kann dann die Gesamtschau erfolgen – Wo stehen Sie jetzt? Was ist aus den Plänen geworden? Wo gab es Veränderungen, wo nicht und warum?

Level 10 Life

Eine weitere, den Lebenshüten sehr ähnliche Methode, ist „Level 10 Life“ – vor allem unter der jüngeren Generation in Zusammenhang mit dem „Bullet Journaling“ bekannt.

Copy right: einfach-lilienhaft, https://www.einfach-lilienhaft.de/

Bei dieser Methode geht es darum, die für Sie wichtigsten Lebensbereiche zu identifizieren, für die Sie dann wiederum spezifische, realistische und ambitionierte Ziele festhalten (immer mit qualitativen oder quantitativen „Messgrößen“ – um überprüfen zu können: Habe ich mein Ziel erreicht?).

Lebensbereiche könnten dabei sein: Gesundheit, Finanzen, Liebe, Achtsamkeit, Freunde, Physische Umgebung, Spaß, persönliche Entwicklung…

Zu Beginn des Jahres geht es nach Bauchgefühl: Auf einer Skala von 1-10, wo stehe ich jetzt? Schätzen Sie sich gern einmal selbst ein und fragen Sie dann vielleicht nahe Freunde / Bekannte oder Verwandte, wie diese Sie einschätzen würden. Manchmal hilft dieser Selbst-Fremdbild-Abgleich. Auch bei dieser Methode gilt: Schauen Sie gern immer wieder im Jahr auf Ihre Ziele und reflektieren Sie, wo Sie mit diesen stehen, warum Sie ggf. andere Wege eingeschlagen haben. Am Ende des Jahres nehmen Sie nochmal die Lebensbereiche zur Hand und schätzen sich wieder ein – Auf einer Skala von 1-10, wo stehen Sie? Folgen Sie Ihrem Bauchgefühl.

Brief an das eigene Ich

In der Beratungsarbeit nutzen wir gern Briefe – wenn wir ein Training anleiten, lassen wir Teilnehmende am Ende aufschreiben, was Sie sich selbst wünschen, welche Ziele Sie sich für die nächste Zeit setzen und wie Sie diese konkret umsetzen. Die Teilnehmenden reichen uns dann Ihre (verschlossenen) Briefe und wir versenden Sie in einem angemessenen Abstand (beispielsweise 6 Wochen nach einem Training).
Der Brief an das eigne Ich kann aber auch wunderbar jedes Jahr um dieselbe Zeit geschrieben werden – bestückt mit Wünschen und Hoffnungen für die eigene Zukunft. Dabei kann der Brief handschriftlich geschrieben werden (und Sie verstecken diesen dann ein Jahr lang) oder Sie nutzen eine Mail mit der Funktion „Sendedatum in der Zukunft“. Oft ist die Freude groß, ein Jahr später von sich selbst zu lesen.

Tägliche Reflexion zu Tagesbeginn oder -ausklang

Neben den eher langfristigen Reflexionsrunden, erleben wir tägliche Reflexion als bereichernd – entweder zu Tagesbeginn oder am Ende eines Tages. Vielen hilft dabei ein Notizbuch samt Stift auf dem Nachttisch (oder in der Handtasche….).

Für den Tagesbeginn eignen sich beispielsweise folgende Fragen zur Reflexion:

  • Worauf freue ich mich heute?
  • Mit welchem Körpergefühl starte ich heute in den Tag?
  • Was macht mir heute Angst / was stresst mich?
  • Welches Grundbedürfnis steckt dahinter?
  • Was kann ich heute selbst tun, um diesen Grundbedürfnis zu befriedigen?

Eine Übersicht mit Grundbedürfnissen finden Sie hier.

Für den Tagesabschluss empfehlen wir beispielsweise diese Fragen:

  • Was hat mich heute zum Lächeln gebracht? Worüber habe ich mich heute besonders gefreut?
  • Welche Herausforderung habe ich heute gemeistert?
  • Was hat mich heute genervt? Wie bin ich mit der Situation umgegangen? Was nehme ich mir für die Zukunft mit solchen Situationen vor?
  • Was war merkwürdig (des Merkens würdig)?
  • Was hat mich heute zum Nachdenken gebracht und warum?
  • Was hat mir heute Energie gegeben, was hat mir Energie gezogen?
  • Wie ist mein Körpergefühl heute Abend – was kann ich tun, um jetzt zur Ruhe zu kommen?

Einige dieser Fragen lassen sich selbstverständlich auch als Abschlussfragen in einem Workshop oder Training nutzen – z.B. als Abschlussrunde im Plenum, bei einem Reflexions-Spaziergang oder als Journalling-Methode.

Reflexion im Moment (der Gang auf den inneren Balkon)

Weniger fest an einen Tageszeitpunkt gebunden, aber ein bereichernder Teil im achtsamen Umgang mit sich selbst sind bewusste Momente, in denen spontan oder plötzlich Gefühle bzw. Anspannungen aufkommen. Wenn Sie dann kurz inne halten und nachspüren, können Stille Fragen an sich selbst sein:

Wo spüre ich etwas? Wie spüre ich es? Was genau macht das mit mir? Ggf. auch: Warum bin ich gerade angespannt? Was kann ich jetzt tun, um mit diesem Gefühl umzugehen?

Wir hoffen, Sie finden die Zeit eine dieser Methoden zu probieren. Senden Sie uns auch gern weitere Methoden zur Reflexion – wir lassen uns gern inspirieren und freuen  uns wie immer auf Ihre Fragen oder Ihr Feedback in den Kommentaren – oder direkt via E-Mail.

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