Blog

Flexible Räumlichkeiten bzw. Creatives Spaces – das oft vergessene Kernelement beim Design Thinking

In früheren Blogbeiträgen haben wir uns bereits mit verschiedenen Innovationsmethoden und insbesondere mit Design Thinking beschäftigt. Wann immer in Workshop-Formaten oder Beratungsprozessen Design-Thinking angewendet wird, bleibt eines der eigentlichen Kernelemente oft unbeachtet: Die flexible Räumlichkeit.

Warum eigentlich? Studien* zeigen, dass es nicht ausreicht, allein Mitarbeiter/innen zu kreativem Arbeiten zu animieren und dann auf ebenso kreative Lösungen zu hoffen. Damit es gelingt, müssen Mitarbeiter/innen in einer Umgebung sein, die ihre Kreativität fördert und fordert – und dazu gehört vor allem auch die flexible Räumlichkeit.

152denkmodell_152denkmodel_DIE_5068Doch was heißt das konkret, flexible Räumlichkeit? Zunächst einmal gilt es ein paar generelle Aspekte in Bezug auf die Räumlichkeit bei kreativen Prozessen, wie auch beim Design Thinking, zu beachten. Zunächst sollte für die Zeit des kreativen Prozesses sichergestellt werden, dass der Raum den Teammitgliedern „gehört“ – d.h., Post-Its und Visualisierungen, Gestaltungsmaterialien und Prototypen werden nicht zwischendurch „weggeschmissen“. Außerdem sollte der Raum dazu einladen, individuell und nach Gusto des Teams gestaltet zu werden. Nichts ist durchdesignt! Alles lädt zum Weiterdenken und –bauen ein. Teammitglieder sollten keine Hemmungen haben, sich frei zu bewegen und Dinge im wahrsten Sinne des Wortes „anzupacken“.

187denkmodell_187denkmodel_DIE_5156Da Design Thinking auch von der Teamarbeit lebt, sollte für Platz und Hilfsmittel zum gemeinsamen Arbeiten gesorgt sein. Damit sind gemeint: Whiteboards bzw. Flipcharts oder beschreibbare Wände, zumindest aber Brownpaper zum gemeinsamen Erarbeiten von Ideen. Denn im Gegensatz zu begrenzten Computerbildschirmen sind Papier und Whiteboards einfach erweiterbar – gerade bei neuen Ideen und Konzepten, deren Tragweite nicht absehbar sind, ein echter Mehrwert. Tische sowie Stühle sollten auch mobil sein, also leicht transportier- bzw. verstellbar, Tische rund nicht eckig, Stühle nach Möglichkeit in verschiedenen Formen und Varianten – für die aktive Arbeit, zum Ausruhen oder für die Konzentrationsleistung – ein bunter Mix von Barhocker bis Sessel.

Werfen wir einen Blick auf den Design Thinking Prozess: Was ist in Bezug auf die flexible Räumlichkeit zu beachten?

  1. Verstehen: Zunächst geht es beim Design Thinking um ein Verstehen des Problems – dazu empfiehlt sich einerseits konzentrierte, fokussierte (Desktop-)Recherche in möglichst ablenkungsfreien, eher weißen, „kahlen“ Räumlichkeiten oder in bibliotheksähnlichen Umgebungen (Bücherregale, Wohnlichkeit ohne stimulierende Ablenkungen). Andererseits empfiehlt es sich, in den Austausch mit Menschen zu treten, die ähnlichen Problemen wie dem der spezifischen Design Thinking Challenge gegenüberstehen – dafür braucht es Gemeinschaftsbereiche, wie z.B. Lounges, Kaffeebars, gemeinsame Küchen oder sogar Eventflächen.
  1. Lösungen entwickeln: Für ein erfolgreiches Brainstorming empfiehlt sich ein möglichst stimulierender Raum – kleine Farbeffekte, wie verworrene, bunte Linien an der Wand oder Farbklekse in den Tönen orange oder rot werden empfohlen. Stühle sollten eher hoch und ohne Lehne sein – damit der Übergang in eine stehende und damit aktiviere Position so gering wie möglich ist. Zudem ist es von Vorteil, stimulierende Bilder oder Objekte in Sichtweite zu haben. Hier gilt, wie fast immer: Nicht zu viel des Guten! Ideal wäre auch einfach draußen: ein Garten oder ein nahegelegener Wald. Oft berichten Menschen: „Wenn ich in der Natur bin, kommen alle Gedanken zusammen und es formt sich ein großes, ganzes Bild“. Da Ideen durch halbautomatische Aktivitäten angeregt werden, empfiehlt es sich auch eine Runde Sport unter den Teammitgliedern oder allein am Abend.
  1. Testen & Ideenselektion: Für die Auswertung des Testings im Team und eine Ideenauswahl empfiehlt sich ebenfalls ein abschließbarer oder abgegrenzter Raum. Oft raten wir, auch die Feedback-Regeln noch einmal visualisiert an der Wand anzubringen.
  1. Iteration & Prototyping: Beim Prototypenbauen und beim Iterieren der ersten Idee stellen wir oft fest: Menschen scheitern nicht gern mit ihren Ideen. Geschützte Räumlichkeiten zum ersten „Rumtüfteln“ an einer Idee sind daher am besten geeignet, gern mit Sichtschutz oder sogar abschließbar. Der Raum sollte in jedem Fall genug Sicherheit und Vertrauen bieten, um darin ungestört arbeiten zu können.

Und auch die ganz trivialen Dinge sind oft nicht möglich, aber für produktives Arbeiten unerlässlich: die Teilnehmenden regeln Fenster, Raumtemperatur (etc.) natürlich selbst! Dazu gehört auch ein freies, selbstständiges Ein- und Ausgehen der Teammitglieder.

Den eigenen „Creative Space“ bzw. das eigene „Innovation Lab“ entwickeln

Wenn Sie jetzt das Gefühl haben, das schaffen wir in unseren Räumlichkeiten nie – dann probieren Sie erstmal einzelne Elemente aus, die Ihrem Arbeitsprozess etwas Neues hinzufügen. Wichtigstes Credo: Nichts sollte durchdesignt sein – entwickeln Sie Ihre Räumlichkeiten schrittweise und lassen Sie gern die darin arbeitenden Teams selbst weiter gestalten.

Mehr Infos zu Methodik und Angeboten im Bereich Design-Thinking und Begleitung von Innovationsprozessen bei denkmodell.

 

*Cummings, A. Oldham, G.R. (1997) Enhancing creativity: Managing work contexts for the high potential employee. In: California Management Review, 40, pp. 22-38.

| | 1 |

Mehr zum Thema
  

  • Beitrag

    Zeitmanagement meint nicht Selbstoptimierung

    Zeitmanagement klingt oft erstmal nach Selbstoptimierung, viel Arbeit und Anstrengung – dabei soll es genau das Gegenteil erreichen: Stress und Druck nehmen, mehr Zeit für Freude und Genuss schaffen. Denn eines ist beim Zeitmanagement gesetzt – selbst wenn sich die Welt gefühlt schneller dreht, Aufgaben zunehmen und komplexer werden – die Zeit, die uns zur […]

    mehr

    Beitrag

    Brainstorming – Impulse für eine erfolgreiche Ideenentwicklung im Team

    Wenn das Wort „Brainstorming“ in einem Meeting fällt, rollen die einen mit den Augen, die anderen verschränken ihre Arme und lehnen sich zurück – so richtig Energie kommt bei diesem Wort nicht mehr auf. Verständlich, denn oft führt Brainstorming nicht zu einem Berg an kreativen Ideen, sondern zu endlosen Diskussionen, die ins nichts laufen. In […]

    mehr
  • Beitrag

    Zwischen allen Stühlen? Moderation von Verhandlungsprozessen.

    Man findet sehr viel Fachliteratur und Fortbildungsangebote zum Thema „Wie verhandele ich erfolgreich?“ – wobei die Definition von „Erfolg“ vom jeweiligen Ansatz abhängt, d.h. es kann der „Sieg“ über den Verhandlungspartner gemeint sein oder das Erreichen eines Win-Win Ergebnisses und einer langfristig tragfähigen Beziehung, wie es vor allem der klassische HARVARD Ansatz propagiert [1]. Wer […]

    mehr

    Training

    Design Thinking in Beratung und Moderation

    Innovationen sorgen derzeit für rasanten Wandel – in unserer Arbeitswelt und in unserem Alltag. Dabei wird es immer wichtiger für Organisationen selbst Schritt zu halten und kreative, wertvolle Neuerungen zu fördern und neue Services oder Produkte anzubieten. Design Thinking ist eine Methode, um im Team komplexe Probleme zu lösen und nutzerorientierte, sinnstiftende Innovationen zu entwickeln. […]

    mehr
  • Training

    Führungskräfteentwicklung

    Stärken nutzen. Orientierung schaffen. Entwicklung ermöglichen. Als Führungskraft stehen Sie täglich vor unterschiedlichsten Aufgaben: Sie müssen unter Zeitdruck Entscheidungen treffen, Zahlen im Blick haben ,ein motivierendes Arbeitsumfeld schaffen, Kundenanliegen bearbeiten und gleichzeitig Ihre und die Interessen von Kolleg/innen im Blick behalten. In dieser Gemengelage Kurs zu halten und die richtige Balance zu finden, ist eine […]

    mehr

    Beitrag

    Alles Zufall? – Oder haben Führungskräfte einen Einfluss auf die Performance ihres Teams?

    Häufig werden wir gefragt, ob man als Führungskraft überhaupt etwas tun kann, um die Performance des eigenen Teams zu verbessern. Schließlich gibt es da ja die spezielle Dynamik in Teams, die komplexen Individuen und die sich ständig verändernden Rahmenbedingungen, etc. Es stellt sich letztlich die Frage: Sind erfolgreiche Teams nicht vielleicht eher ein Produkt des […]

    mehr
  • Beitrag

    Agil mit ALDI?

    Viele unserer Kund/innen fragen sich, wie eine agile Organisation aussieht. Wir von denkmodell bieten gerne praktische Hilfe an. Auf dieses Hilfsmittel für den „Sprung“ von der traditionellen in die agile Organisation sind wir bislang nicht gekommen: das „Agility Sortiment von ALDI-Süd“. Wer das mit uns ausprobieren will, bitte melden. Aber erst nach Ostern. Und nach […]

    mehr

    Beitrag

    Podcast: Wertschätzung in der Führung

    Vor kurzem hörte ich auf einer längeren Zugfahrt nach einem Workshop verschiedenste Podcasts, dabei bin ich auf einen hörenswerten Beitrag gestoßen. In diesem wird in dichter und überzeugender Weise die Bedeutung von „Wertschätzung“ in der Führung dargelegt. Studien zeigen demnach, dass ein Großteil der Führungskräfte die Grundlagen von Führung nicht beherrschen und offenbar jede zweite […]

    mehr
  • Beitrag

    Einblick: denkmodell-Moderationsset – Materialien, Transport und Handling

    Im letzten Beitrag haben wir Impulse zur Moderation von Großgruppen gegeben. Heute schauen wir nicht auf das Wie? der Moderation, sondern vielmehr auf das Womit? Dabei möchten wir Ihnen eine kleine Inspirationshilfe geben: Désirée Bösemüller führte zu diesem Zweck ein Gespräch mit dem denkmodell Kollegen Herrn Julian-G. Mehler – Julian spricht im Folgenden über Materialien, […]

    mehr

    Beitrag

    Neu erschienen: 66+1 Warm-Up & Energizer für Klein- und Großgruppen

    Im vergangen Jahr bekamen wir eine E-Mail mit dem Aufruf, unsere Lieblings-Warm-Ups für ein kollektives Buch einzureichen. Wie gefragt, so gemacht: zwei Kolleginnen und ich zögerten nicht lang und schickten jeweils unseren Favoriten. Im Dezember dann die freudige Nachricht: Das E-Book mit dem Titel „Design Thinking Workshop –  66 + 1 Warm-up, die dich als […]

    mehr

1 Kommentar zu “Flexible Räumlichkeiten bzw. Creatives Spaces – das oft vergessene Kernelement beim Design Thinking”

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kommentar

Name*

Email*


This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.