Blog

Design Thinking erfolgreich durchführen – Impulse & Empfehlungen

In unseren denkmodell Design Thinking Workshops und Trainings werden wir immer wieder gefragt: Was braucht es  eigentlich für einen erfolgreichen Design Thinking Prozess? Zusammen mit meinen Kolleg/innen haben wir also eine kleine Sammlung mit Empfehlungen und Impulsen angefangen, die vielleicht auch für Sie hilfreich sein könnte:

Eine echte Challenge

Jeder Prozess startet mit einer Challenge oder Fragestellung – aber: Welche Fragen oder Herausforderungen sind für Design Thinking geeignet? Wir verweisen an dieser Stelle gern auf den Unterschied zwischen komplex und kompliziert und stellen folgende Voraussetzungen an die Fragestellung:

  • Ist die Challenge oder Fragestellung NICHT mit bloßer Hilfe von Fachwissen zu lösen? Dann ist sie für Design Thinking geeignet.
  • Die Fragestellung muss Platz für Ideen lassen, darf nicht zu einschränkend sein (sie sollte eine ungefähre Zielgruppe und ein Problem / eine Herausforderung beinhalten)!
  • Es sollten keine Übungsfälle sein, echte Probleme und Herausforderungen sind gefragt!
  • Gemäß unserer bisherigen Erfahrungen sind Kriterien für eine gute Challenge:
    • Beispielsweise offene Fragen: Wie? Wodurch?…
    • keine Antwort oder Lösungsorientierung
    • ein reales, offenes und schwieriges Problem als Ausgangspunkt
    • idealerweise nicht durch Verbesserungen, sondern durch echte Innovation lösbar
    • nicht ohne weiteres mit entsprechender Expertise direkt abschließend beantwortbar

Motiviertes Design Thinking Team

Design-Thinking-Beratung-BerlinDie Challenge bzw. Fragestellung steht – aber: Wer sollte eigentlich ins Design Thinking Team? Wir beziehen uns hier gern auf die Kernelemente von Design Thinking. Der Design-Thinking-Wegbereiter Tim Brown (Tim Brown, Harvard Business Review, 2008) und wissenschaftliche Untersuchungen von Amabile (Amabile, T. M.: A model of creativity and innovation in organizations. Research in Organizational Behavior, 10, 123-167, 1988.) geben gute Anhaltspunkte für ein ideales Team:

  • Die Teams sollten multidisziplinär aufgestellt sein, d.h. sie sollten aus Mitgliedern mit unterschiedlichen Altersgruppen, unterschiedlichen Fachexpertisen, unterschiedlichen Denkweisen sowie unterschiedlichen Typen (Macher / Unternehmer, Philosophen etc.) bestehen.
  • Dabei sollten die Teammitglieder ein Mindset teilen. Jede/r sollte jeweils Empathie, Experimentierfreude, Optimismus, Enthusiasmus und vor allem Offenheit für die Meinung des Nutzers (wenig sprechen, viel zuhören und aufnehmen) mitbringen.
  • Unsere Grundhypothese ist, dass jeder Mensch kreativ ist. Kreativitätsfördernde Charakteristika sind die intrinsische Motivation, das Problem betreffendes soziokulturelles Wissen und kreative Denkfähigkeiten. In Trainings unterstützen wir vor allem letzteres und achten auf eine hohe Eigenmotivation der Teilnehmenden.
  • Für einen dynamischen, inspirierenden Prozess empfehlen wir mindestens 4, höchstens 7 Teammitglieder.

Passende Räumlichkeiten

Ein weiteres Kernelement im Design Thinking sind die Räumlichkeiten. Vor einer Weile teilten wir dazu unsere wichtigsten Erkenntnisse, hier nochmal ein paar Hinweise im Kurzüberblick:

  • Verwenden Sie keinen Konferenzraum für Brainstorming-Phasen – generell sind Konferenzräume ungeeignet in innovativen Prozessen!
  • Sorgen Sie für Rückzugsräume, die einen Fokus- und Konzentration fördern und zugleich auf aktivierende, inspirierende Experimentierflächen.
  • Unsere Erfahrungen zeigen, dass eine Räumlichkeit mit örtlicher Distanz zum Büro und mit einer anderen Atmosphäre als im üblichen Büro, hilfreich sein kann, um übliche Denk- und Verhaltensmuster aufzubrechen.
  • Allgemein ist uns wichtig: Tageslicht und frische Luft – beides sollte durch das Team selbst regulierbar sein, Ownership über die Räumlichkeit (die Post-Its etc. sollten auch über Tage hängen bleiben dürfen) und (Obacht, hier tappen viele in eine Falle!) kein durchdesignter Raum. Der Raum sollte zum Weiterbauen und zur Fehlerfreude anregen.
  • Für einen Entwicklungsworkshop sollte idealerweise die geografische Nähe zum Nutzer berücksichtigt werden.

Nutzer an Bord

Design-Thinking-BeratungDesign Thinking ist ein nutzerzentrierter Prozess – es braucht also die Nutzer! Ohne die geht es nicht, sonst wird ein Workshop schnell zu einem Diskussionskreis mit viel Bauchgefühl. Für uns gilt daher:

  • Denken Sie sich keine Stereotypen aus, sondern befragen Sie echte Nutzer! – Wenn alle sagen „Wir müssen nicht rausgehen und Nutzer befragen, wir kennen die Personen“ gibt es möglicherweise keine neuen, tiefergreifenden Erkenntnisse, sondern oberflächliches Allgemeinwissen und daher auch selten innovative Ideen.
  • Nehmen Sie bei der Nutzerbefragung gern auch Extrembeispiele. Diese sind oft hilfreich, Empathie zu entwickeln und Inspiration zu erzeugen.
  • Vertreter, der hinter jeder Persona stehenden realen Nutzertypen, sollten idealerweise für eine Beobachtung bzw. für ein Gespräch erreichbar sein – das gilt insbesondere in der Testphase der Prototypen.

Minimalbedingungen

Design-Thinking-Beratung-BerlinNicht immer können alle oben genannten Faktoren erfüllt werden, wir haben daher noch ein paar Mindestanforderungen zusammengestellt:

  • Für uns zählt Kommittent für den Design Thinking Prozess – dies schließt die Führungsetage mit ein.
  • Es muss die Möglichkeit des Scheiterns geben. Design Thinking ist ein ergebnisoffener Prozess!
  • Es muss ausreichend Zeit für Nutzerinterviews und den Prozess an sich zur Verfügung stehen.
  • Entweder hat eine kritische Masse im Team (1-2 Leute bei insgesamt 5 Teammitgliedern) Vorerfahrungen mit der Design Thinking Methode und/oder eine enge methodische Begleitung durch Design Thinking Coaches wird notwendig.
  • Planen Sie bei Entwicklungsworkshops mindestens 1,5 Tage für einen Durchlauf des gesamten Design Thinking Prozesses ein. Selbstverständlich können hier je nach Prozessskizze, Thema und Team unterschiedliche Zeitrahmen sinnvoll sein.

Wenn Sie mehr über Design Thinking erfahren wollen oder über Rahmenbedingungen und ein erfolgreiches Aufsetzen eines Design Thinking Workshops ins Gespräch kommen wollen, dann kommen Sie zu unserem Training „Design Thinking in Beratung und Moderation“ am 21. und 22. November in Berlin. Es gibt noch verfügbare Plätze!

 

Mehr zum Thema
  

  • Training

    Design Thinking in Beratung und Moderation

    Innovationen sorgen derzeit für rasanten Wandel – in unserer Arbeitswelt und in unserem Alltag. Dabei wird es immer wichtiger für Organisationen selbst Schritt zu halten und kreative, wertvolle Neuerungen zu fördern und neue Services oder Produkte anzubieten. Design Thinking ist eine Methode, um im Team komplexe Probleme zu lösen und nutzerorientierte, sinnstiftende Innovationen zu entwickeln. […]

    mehr

    Beitrag

    Design Thinking in der Stadtentwicklung

    Zwei Berater/innen von denkmodell, zwei Design Thinking Workshop-Tage, etwa 30 teilnehmende Bürgerinnen und Bürger – Ergebnis: eine Vielzahl von Ideen für konkrete Maßnahmen im Rahmen des Stadtentwicklungsplans für Naga City, einer mittelgroßen Stadt auf den Philippinen.

    mehr
  • Beitrag

    Ausbildung „Beratung und Organisationsentwicklung“ früher und heute

    „The times, they are a changin!“ Bob Dylan 1964 Die denkmodell Ausbildung „Beratung und Organisationsentwicklung“ läuft seit inzwischen im 8. Jahrgang – und die Vorgespräche mit den Interessent/innen für die  9. Ausbildung (Beginn März 2018) sind bereits im vollem Gange.

    mehr

    Beitrag

    „Social Labs“-Beitrag in der Werkzeugkiste der Zeitschrift für Organisationsentwicklung

    Unsere zwei Berater/innen Désirée Bösemüller und David Koschel haben in der Werkzeugkiste der Zeitschrift für Organisationsentwicklung (ZOE) einen Beitrag zum Thema „Social Labs“ veröffentlicht. Lesen Sie doch mal rein:

    mehr
  • Beitrag

    denkmodell auf Augenhöhe. Auf zum AUGENHÖHEcamp!

    Am 28. September 2017 findet in Berlin das zweite branchenübergreifende AUGENHÖHEcamp statt. Wir nehmen teil und unterstützen das camp, da wir finden: Eine Plattform, in der sich Unternehmer/innen, Führungskräfte und Personaler/innen dazu austauschen, wie die „neue Arbeitswelt“ ganz praktisch aussehen kann, ist wichtig. Als Teilnehmende des camps verstehen wir uns selbst als Impulsgeber und Fragensteller […]

    mehr

    Beitrag

    Training „Virtuelle Teamarbeit“ – standortunabhängiges Arbeiten lernen

    Ob ich aus Helsinki mit Kollegen in Buenos Aires arbeite oder ob vom heimischen Küchentisch statt aus dem Großraumbüro – die Digitalisierung macht möglich, was die zunehmende Internationalisierung aber auch der Wunsch von Mitarbeitenden nach mehr Flexibilität einfordern: Das Arbeiten in virtuellen Teams.

    mehr
  • Beitrag

    Stichwort Vertrauen – das war der Change Congress 2017 in Berlin

    Für zwei unserer Kolleginnen hieß es in der letzten Woche: Auf zum Change Congress in Berlin! Ob es Teil der Symbolik war, dass der Congress ausgerechnet im „Titanic“-Hotel stattfand? Titanic als das Schiff, das niemals sinken sollte und dann doch unterging – gemäß Film hatten die navigierenden Menschen einfach nicht früh genug den Weitblick bewiesen… […]

    mehr

    Beitrag

    Was tun Unternehmen, um innovativer zu werden?

    Im letzten Beitrag zu Innovation haben wir uns gefragt: Was macht Organisationen innovativ? Heute schauen wir auf die Frage: Welche Hebel nutzen Organisationen und Unternehmen, um (noch) innovativer zu werden? Darauf gibt es sicher viele Antworten – eine Antwort, die wir in unserem (Kunden)Umfeld immer häufiger hören lautet: Wir suchen nach „innovativen Formen der Zusammenarbeit“. […]

    mehr
  • Beitrag

    Die Neuerfindung der Organisation? – „Reinventing Organizations“ von Frédéric Laloux

    Laut einer aktuellen Studie leisten zwei von drei Arbeitnehmern Dienst nach Vorschrift, jeder siebte hat bereits innerlich gekündigt. Seit fünfzehn Jahren zeichnen Befragungen ein bedenkliches Bild der Unzufriedenheit mit ihrer Arbeit – die ja immerhin einen großen Teil des Lebens bestimmt. Doch es bewegt sich was, es gibt spürbare Veränderungen.

    mehr

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kommentar

Name*

Email*