Flexible Räumlichkeiten bzw. Creatives Spaces – das oft vergessene Kernelement beim Design Thinking

In früheren Blogbeiträgen haben wir uns bereits mit verschiedenen Innovationsmethoden und insbesondere mit Design Thinking beschäftigt. Wann immer in Workshop-Formaten oder Beratungsprozessen Design-Thinking angewendet wird, bleibt eines der eigentlichen Kernelemente oft unbeachtet: Die flexible Räumlichkeit.

Warum eigentlich? Studien* zeigen, dass es nicht ausreicht, allein Mitarbeiter*innen zu kreativem Arbeiten zu animieren und dann auf ebenso kreative Lösungen zu hoffen. Damit es gelingt, müssen Mitarbeiter*innen in einer Umgebung sein, die ihre Kreativität fördert und fordert – und dazu gehört vor allem auch die flexible Räumlichkeit.

Doch was heißt das konkret, flexible Räumlichkeit? Zunächst einmal gilt es ein paar generelle Aspekte in Bezug auf die Räumlichkeit bei kreativen Prozessen, wie auch beim Design Thinking, zu beachten. Zunächst sollte für die Zeit des kreativen Prozesses sichergestellt werden, dass der Raum den Teammitgliedern „gehört“ – d.h., Post-Its und Visualisierungen, Gestaltungsmaterialien und Prototypen werden nicht zwischendurch „weggeschmissen“. Außerdem sollte der Raum dazu einladen, individuell und nach Gusto des Teams gestaltet zu werden. Nichts ist durchdesignt! Alles lädt zum Weiterdenken und –bauen ein. Teammitglieder sollten keine Hemmungen haben, sich frei zu bewegen und Dinge im wahrsten Sinne des Wortes „anzupacken“.

Photo eines denkmodell-Workshops.

Da Design Thinking auch von der Teamarbeit lebt, sollte für Platz und Hilfsmittel zum gemeinsamen Arbeiten gesorgt sein. Damit sind gemeint: Whiteboards bzw. Flipcharts oder beschreibbare Wände, zumindest aber Brownpaper zum gemeinsamen Erarbeiten von Ideen. Denn im Gegensatz zu begrenzten Computerbildschirmen sind Papier und Whiteboards einfach erweiterbar – gerade bei neuen Ideen und Konzepten, deren Tragweite nicht absehbar sind, ein echter Mehrwert. Tische sowie Stühle sollten auch mobil sein, also leicht transportier- bzw. verstellbar, Tische rund nicht eckig, Stühle nach Möglichkeit in verschiedenen Formen und Varianten – für die aktive Arbeit, zum Ausruhen oder für die Konzentrationsleistung – ein bunter Mix von Barhocker bis Sessel.

Werfen wir einen Blick auf den Design Thinking Prozess: Was ist in Bezug auf die flexible Räumlichkeit zu beachten?

  1. Verstehen: Zunächst geht es beim Design Thinking um ein Verstehen des Problems – dazu empfiehlt sich einerseits konzentrierte, fokussierte (Desktop-)Recherche in möglichst ablenkungsfreien, eher weißen, „kahlen“ Räumlichkeiten oder in bibliotheksähnlichen Umgebungen (Bücherregale, Wohnlichkeit ohne stimulierende Ablenkungen). Andererseits empfiehlt es sich, in den Austausch mit Menschen zu treten, die ähnlichen Problemen wie dem der spezifischen Design Thinking Challenge gegenüberstehen – dafür braucht es Gemeinschaftsbereiche, wie z.B. Lounges, Kaffeebars, gemeinsame Küchen oder sogar Eventflächen.
  2. Lösungen entwickeln: Für ein erfolgreiches Brainstorming empfiehlt sich ein möglichst stimulierender Raum – kleine Farbeffekte, wie verworrene, bunte Linien an der Wand oder Farbklekse in den Tönen orange oder rot werden empfohlen. Stühle sollten eher hoch und ohne Lehne sein – damit der Übergang in eine stehende und damit aktiviere Position so gering wie möglich ist. Zudem ist es von Vorteil, stimulierende Bilder oder Objekte in Sichtweite zu haben. Hier gilt, wie fast immer: Nicht zu viel des Guten! Ideal wäre auch einfach draußen: ein Garten oder ein nahegelegener Wald. Oft berichten Menschen: „Wenn ich in der Natur bin, kommen alle Gedanken zusammen und es formt sich ein großes, ganzes Bild“. Da Ideen durch halbautomatische Aktivitäten angeregt werden, empfiehlt es sich auch eine Runde Sport unter den Teammitgliedern oder allein am Abend.
  3. Testen & Ideenselektion: Für die Auswertung des Testings im Team und eine Ideenauswahl empfiehlt sich ebenfalls ein abschließbarer oder abgegrenzter Raum. Oft raten wir, auch die Feedback-Regeln noch einmal visualisiert an der Wand anzubringen.
  4. Iteration & Prototyping: Beim Prototypenbauen und beim Iterieren der ersten Idee stellen wir oft fest: Menschen scheitern nicht gern mit ihren Ideen. Geschützte Räumlichkeiten zum ersten „Rumtüfteln“ an einer Idee sind daher am besten geeignet, gern mit Sichtschutz oder sogar abschließbar. Der Raum sollte in jedem Fall genug Sicherheit und Vertrauen bieten, um darin ungestört arbeiten zu können.

Und auch die ganz trivialen Dinge sind oft nicht möglich, aber für produktives Arbeiten unerlässlich: die Teilnehmenden regeln Fenster, Raumtemperatur (etc.) natürlich selbst! Dazu gehört auch ein freies, selbstständiges Ein- und Ausgehen der Teammitglieder.

Den eigenen „Creative Space“ bzw. das eigene „Innovation Lab“ entwickeln

Wenn Sie jetzt das Gefühl haben, das schaffen wir in unseren Räumlichkeiten nie – dann probieren Sie erstmal einzelne Elemente aus, die Ihrem Arbeitsprozess etwas Neues hinzufügen. Wichtigstes Credo: Nichts sollte durchdesignt sein – entwickeln Sie Ihre Räumlichkeiten schrittweise und lassen Sie gern die darin arbeitenden Teams selbst weiter gestalten.

Mehr Infos zu Methodik und Angeboten im Bereich Design Thinking.

*Cummings, A. Oldham, G.R. (1997) Enhancing creativity: Managing work contexts for the high potential employee. In: California Management Review, 40, pp. 22-38.

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