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Home Office Realities – Einblicke in den Alltag

Seit Mitte März ist der Großteil unseres Teams ins Home Office gezogen – und arbeitet nach wie vor von Zuhause. Nicht alles läuft rund in den eigenen vier Wänden: Einiges bringt uns zum Lachen, anderes zum Nachdenken. In unserer Serie «Home Office Realities» haben wir alltägliche Erfahrungen gesammelt – individuelle und persönliche Momentaufnahmen der denkmodeller*innen. Insgesamt sind in den vergangenen Wochen 7 kurze Einblicke entstanden:

#1 Großfamilie: «Alle verschlafen – morgens die Tagesstruktur nur ausgesprochen aber nicht mit Post-Its an die Küchenwand gehängt. Was passiert? Die Kinder vermissen Klarheit – mein Mann und ich planen zu wenig Pausen ein für die „Übergabe“ zwischen den Telkos. Es fühlt sich irrwitzig an. Was wollen wir uns hier eigentlich beweisen? Draußen scheint die Sonne. Immerhin. Dank an die Kolleg*innen, die einspringen immer wieder und an so vielen Stellen. Vielleicht auch mal ok wenn man nicht den „größten“ Beitrag leisten kann? Vielleicht eine Frage, die ich mir mitnehmen sollte für die Zeiten nach Corona.“

#2 Weltweit: «Ich wache auf. Deutschland schläft noch. Denn ich bin in Taipei, Taiwan. Ich setze mich an eine virtuelle Fortbildung und genieße danach einen langen 10km Spaziergang zum Dalongdong Baoan Tempel. Ab 16 Uhr geht dann die Arbeit los. Ich sitze in virtuellen Konferenzen und freue mich über die Gesichter. Es wird auch viel gelacht. Der letzte Termin dauert bis 0.30 Uhr. Für den virtuellen Small Talk fehlt mir um diese Uhrzeit leider der Nerv. Danach gibt’s endlich Abendbrot – zwischen den Meetings war nicht genug Zeit. Gegen 2.30 Uhr lege ich mich hin. Wird das mein neuer Tagesrhythmus? Welche Sehenswürdigkeit nehme ich mir morgen vor? …»

#3 Halbwertszeiten von Regeln und Strukturen: «Tagesplan und die Regeln für das Miteinander – beides erarbeitet an Tag 1 von Corona-Home-Office-Mit-Kinderbetreuung gemeinsam mit unserer fünf-jährigen Tochter. Die Regelwut war ihr Impuls (die «graphische» Darstellung führte vom ersten Moment an zu Ambiguität…).  Mein Blick darauf einen Monat später sagt mir: Wie wichtig und richtig in dem Moment – wie überholt schon nach wenigen Tagen – wie irrelevant in unserer Praxis heute. Auch der gemeinsame Morgenkreis auf dem Wohnzimmerteppich findet nicht mehr in der Regelmäßigkeit von Woche 1 statt. Ihn aber überhaupt ab und an zu erleben, gibt mir Energie und Erdung beim Start in die Tage. Tage, die mich in Doppelauslastung von Arbeit und Kinderbetreuung an meine Grenze bringen. Tage, an denen ich gleichermaßen dankbar bin, nur diese Grenzerfahrung zu machen, die im Vergleich zu existenziellen Sorgen anderer überwindbar ist.»

#4 Großfamilie: «Lese gerade abends zum Einschlafen das Buch ‘Geht alles gar nicht: Warum wir Kinder, Liebe und Karriere nicht vereinbaren können.’ Es wird gerade noch deutlicher, was ohne Corona spürbar ist: Unser perfektionistischer Wunsch alles spielend unter einen Hut zu bekommen ist eine Illusion. Wenn es mir gelingt, gelassen zu bleiben und meinen «Leistungsimpuls» ein wenig runter zu dimmen, dann ist die Zeit auch ein Geschenk: So viel Zeit zu fünft hatten wir lange nicht mehr.»

#5 Großfamilie: „Mist! Ich wache mit krassen Kopfschmerzen auf. Die wollen auch nicht weggehen … Kopfkino vorprogrammiert. Trotzdem ständiger Blick auf die Emails am Handy – alles also was ich meinen Kund*innen sagen würde nicht (!) zu tun. Mittags ist das Kopfweh weg – die Kinder üben sich im nichts Tun (allerdings auch das in maximaler Lautstärke). Nebenan hängt mein Mann am Telefon – und in Videokonferenzen: 9-16 Uhr fast ohne Unterbrechung. Da sollte es hier nebenan nicht zu laut werden. Noch dieser Tag, dann ist Wochenende. Wieder alle fünf zusammen – aber dafür ohne Mails und Schulaufgaben. Woche 2 – mir kommt es länger vor.“

#6 Virtueller Teamtag: «Einen weiteren Tag in virtuellen Meetings verbracht. Soweit nichts Besonderes. Besonders ist: Das war unser erster virtueller Teamtag, den ich zusammen mit einer Kollegin konzipiert und moderiert habe. Normalerweise fahren wir mit dem Team und einer externer Moderation 3 Tage raus in die Natur. Nun ein Tag selbst moderiert und virtuell – hier hilft es, dass die Krise in gewisser Weise das Fokussieren erleichtert. Geheimnis? Wir schaffen selbst nicht immer, was wir unseren Kund*innen raten; virtuell längere Pausen einzuplanen zum Beispiel. Nach dem Teamtag noch ein Netzwerktreffen moderiert. Ein langer Spaziergang am Abend hat mir dann aber doch das Gefühl zurück gegeben ein Mensch mit Körper zu sein und kein 2D-Zoom-Bild.»

#7 Der Plan: «Am Anfang gab es einen Plan: 6.00 Uhr aufstehen & Sport, 7.00 Uhr Duschen & Frühstücken, 8.00 Uhr Meditieren & Lesen, 9.00 Uhr Arbeit, 18.00 Uhr Feierabend & Freizeit, 23.00 Uhr Licht aus. Es war ein schöner Plan. Er gab dem Alltag neue Struktur. Doch nach ein paar Wochen wurde es immer schwieriger um 6.00 Uhr aufzustehen. Sport, meditieren, und lesen? Nee, nicht so wichtig. Lieber ein bis zwei Stunden mehr Schlaf. Schlafen – seit Corona bin ich so unendlich müde und schlafe, wenn ich kann bis zu zehn Stunden. Auch die Freizeit ist nicht mehr wirklich Freizeit. Die private To-Do-Liste ist lang. Ich vermisse meine Familie und Freund*innen. Zum Glück habe ich meinen Mann. Blick auf die Uhr: 17.42 Uhr. Ich freue mich auf den Abend. Netflix und Popcorn. Und morgen? Morgen geht alles wieder von vorne los.»

Übrigens: Der «Umzug» zurück ins Büro ist bei vielen denkmodell-Teammitgliedern erst sinnvoll, wenn wir uns wirklich wieder an der Kaffeetheke zum konzeptionellen oder informellen Austausch treffen und unseren Arbeitsplatz dauerhaft wieder aufbauen können (viele haben Maus, zweiten Bildschirm etc. mit nach Hause genommen) – und wenn die Kinderbetreuung dauerhaft sowie gut geregelt ist. Dennoch ist es Zeit für uns, die Home Office Realities hinter uns zu lassen und eine neue Serie zu starten: «Virtual Fails» – Unsere (zum Teil witzigen) Lernerfahrungen im virtuellen Raum. Wir lassen Sie aus unseren Fehlern lernen. Folgen Sie uns auf den Sozialen Medien (Instagram, Facebook, Twitter oder LinkedIn), um dazu aktuell auf dem Laufenden zu sein.

Sind Sie zurück im Büro oder weiterhin im Home Office – oder waren Sie gar nicht erst im Home Office? Wie haben Sie die letzten Wochen erlebt? Wir freuen uns über Ihre Einblicke. Kommentieren Sie gern.


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