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Kooperation gestalten – Einblicke in die Ausbildung „Beratung & Organisationsentwicklung“

In vier parallelen Kleingruppen wird diskutiert, debattiert und konzipiert. Fünf Stühle um ein Flipchart angeordnet – in einer Stunde soll ein Angebot für ein komplexes Kooperationsvorhaben präsentiert werden. Wer moderiert? Wer visualisiert?

Erst Rollen definieren, dann sammeln, strukturieren, fokussieren – und schließlich präsentieren. Dabei schwankt die Stimmung von konzentriertem Schweigen über hitziges Debattieren zu lautstarkem Lachen und zurück – bis das Ergebnis steht und die Ausbilder/innen das Ende der Einheit einläuten.

21 Teilnehmer/innen absolvieren bei denkmodell eine zweijährige berufsbegleitende Ausbildung in „Beratung & Organisationsentwicklung“. Sie lernen auf Basis von konzeptionellem und methodischem Fachwissen, Beratungskonzepte zu entwickeln, die zum Kundenkontext und -anliegen passen. Thematischer Fokus in Modul 7:

Kooperationsmanagement

Wie kooperieren Organisationen heute und in Zukunft, um den individuellen und gemeinsamen strategischen Herausforderungen zu begegnen? Welche Form der Zusammenarbeit ist adäquat und dem jeweiligen Ziel angemessen? Wie kann erfolgreiche Kooperation gesteuert werden? Und wie können Berater/innen Kooperations- und Verhandlungsprozesse professionell begleiten?

Was Stoff genug bieten würde, um ein Symposium zu füllen, wird innerhalb der Ausbildung zuerst durch Fachliteratur und einzelne Online-Kurse vorbereitet und dann gemeinsam fünf Tage lang vertieft und vor allem: praktisch angewandt. Dabei liegt während der Präsenzphasen immer ein besonderer Fokus auf der gemeinsamen Arbeit an Fallbeispielen. Unter anderem hat eine Teilnehmerin ein Beratungsanliegen aus der Internationalen Zusammenarbeit zur Verfügung gestellt: Innerhalb eines Sektors sollen Konzepte unterschiedlicher Geberinstitutionen aufeinander abgestimmt werden. Wie kann sie vorgehen, um die zukünftige Kooperation richtig einzufädeln? Was wären mögliche Ansatzpunkte für uns als Berater/innen? Welche Rollen gibt es im Prozess? Welcher Nutzen kann entstehen und welche Interessen verfolgen die einzelnen Stakeholder? Wo ist Widerstand zu erwarten und wie kann konstruktiv damit umgegangen werden?

Nach halbstündiger Kontextklärung werden innerhalb von Kleingruppen eine Stunde lang Beratungsansätze entwickelt und später vor der Gesamtgruppe präsentiert. In einer gemeinsamen Auswertungsrunde gibt es nicht nur Feedback von Seiten der Ausbilder/innen, auch die potentielle Kundin nimmt Stellung dazu, welches Beratungsangebot ihr am hilfreichsten erscheint und wieso. Um zu guten Arbeitsergebnissen zu kommen, müssen auch die Teilnehmer/innen vor allem eins: erfolgreich kooperieren. Nicht nur in Modul 7.

Vom ersten Ausbildungstag an beginnt für jede Ausbildungsgruppe ein Prozess, ähnlich dem, den Organisationen in Kooperationen durchlaufen. Über Kontaktaufnahme und Informationsaustausch gelangt man dazu, Wissen zu teilen, um auf dieser Basis gemeinsame Aktivitäten planen zu können. All das neben dem eigentlichen „Kerngeschäft“. Da gilt es Ausbildungszeiten, Online-Kurse und Fachlektüre in den beruflichen und privaten Alltag zu integrieren. Kein unerheblicher Koordinationsaufwand – aber es lohnt: Nachdem sich die derzeitige Ausbildungsgruppe nun ausreichend kennen und schätzen gelernt hat, geht es an die Umsetzung gemeinsamer Aktivitäten.

Kooperation in der Praxis

Das nächste Ausbildungsmodul organisieren die Teilnehmenden komplett in Eigenregie – Modul 10 sieht eine gemeinsame Beratungseinheit in Berliner Institutionen und Unternehmen vor. Genug Zeit also, Erfolgsfaktoren gelungener Kooperation in der Praxis zu erfahren. Und die sind hier ähnlich wie andernorts: Um erfolgreich zusammen zu arbeiten, ist jede/r einzelne gefordert, die Perspektive anderer aufzunehmen, Interessen gewinnbringend auszuhandeln und Konflikte konstruktiv zu lösen.

Es ist eine Stimmung, in der jede/r für sich am meisten profitiert, wenn er/sie auch die anderen im Blick hat – auch, weil für individuelle Lernerfolge die Perspektivenvielfalt der Gruppe entscheidend ist. Deshalb sind die unterschiedlichen Erfahrungen und beruflichen Hintergründe der Teilnehmer/innen wichtiger Bestandteil des Lernkonzepts. Schließlich ist eine zentrale Beraterkompetenz, sich hineindenken zu können in bisher unbekannte Kontexte und Kundenanliegen. „Aufgrund der bunten Zusammensetzung der Gruppe macht das gemeinsame Lernen doppelt so viel Spaß! Jede/r einzelne ist eine absolute Bereicherung“, sagt Gunhild Schwitalla-Ruf, Ausbildung 2012/13, Fachkonzeptionistin, Sektorprogramm Frieden und Sicherheit, GIZ GmbH, Eschborn.

Und so werden – zurück in Modul 7 – am Ende der Kleingruppenarbeit vier unterschiedliche Beratungsansätze vorgestellt. Jede/r konnte dabei Erlerntes anwenden und vertiefen sowie Verbesserungsmöglichkeiten identifizieren. Und die „Kundin“? Auch sie hat profitiert – zum einen durch den Rollenwechsel in die Kundenperspektive und zum anderen durch Aha-Effekte und konkrete Ergebnisse in Bezug auf ihr Anliegen. Ihre Ausbildungskolleg/innen haben ihr ein Bündel möglicher Handlungsoptionen mitgeben.

Am Ende des Tages…

So endet der Seminartag mit vielen Lernerfahrungen und -erfolgen und sicherlich auch einigen individuellen „to-dos“. Zuerst aber siegen Hunger und Freude am Austausch. Einige gehen noch gemeinsam in die Pizzeria, andere lockt das Berliner Kulturprogramm – manche/r eilt noch an den Schreibtisch. Der Tag klingt aus und all das findet Platz, das im dichten Seminarprogramm nicht unterkam. Denn nach zwei Jahren gemeinsamer Ausbildung sind die 21 angehenden Berater/innen längst eine vitale Gruppe geworden, die – um bei Kooperationsformen zu bleiben – bereits ein gut funktionierendes Netzwerk ist.

Der Rückblick auf vergangene Ausbildungsgänge zeigt: Der Kontakt innerhalb der Ausbildungsgruppe bleibt bestehen – ob für Auftragsvermittlung, fachlichen Austausch, Durchführung gemeinschaftlicher Projekte oder schlichtweg private Verbindungen. Die Formen und Inhalte von Kooperation sind vielfältig.

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