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Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigung in der Beratung

Immer wieder begegnen wir Menschen mit allerlei Arten von Beeinträchtigung in unserer Beratung. Sei es als Teilnehmer*in in einem Workshop oder Training, als Mitarbeiter*in in einem größer angelegten Beratungsprozess oder als Co-Trainer*in oder als Auftraggeber*in. Hier werden viele Inklusionsthemen aktuell: Sind die Räume barrierefrei zugänglich? Lassen sich die Themen für Menschen mit Lernschwierigkeiten ebenso in einfacherer Sprache gut vermitteln? Sind die Methoden inklusiv oder schließen sie einzelne Teilnehmende aus?

Oft kommen wir an dieser Stelle in ein Spannungsfeld: Wie lässt sich ein Kreativworkshop, bei dem es um Ideenentwicklung und Prototyping geht, so gestalten, dass Menschen mit einer Sehbehinderung oder mit  eingeschränkter Bewegungsfähigkeit nicht nur teilnehmen, sondern auch etwas beitragen und mitnehmen können? Wie lässt sich in einem stark auf visuelle Unterstützung des Lernstoffes ausgerichteten Training eine blinde Person gut mitnehmen? Wie können wir auch denjenigen eine Stimme geben, die aufgrund welcher Umstände auch immer, kein Gehör finden (oder umgekehrt die anderen nicht hören können)?  Wie können wir Technik zur Unterstützung heranziehen?

Auf diese Fragen haben wir keine fertigen Antworten. Doch wir haben den Wunsch, es jedes Mal besser zu machen. Ein paar Impulse zum Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung in der Beratung haben wir mittlerweile gesammelt, hier mit Fokus auf Menschen mit starker Sehbehinderung/Erblindung:

  • Sprechen Sie immer aus, was Sie machen und was auf dem Flipchart zu sehen ist: „Ich zeige Ihnen jetzt vier Faktoren, die….“
  • Sprechen Sie aus, wer sich gemeldet hat und in welcher Reihenfolge: „Erst Hannah, dann Florian und eine Wortmeldung von Achmed…“
  • Behalten Sie die den*die Betreffende im Auge (achten Sie auf Hand heben, aber auch auf Stirnrunzeln etc.) und sprechen Sie aus, dass er*sie sich zu Wort meldet. So ist klar, wann er*sie dran ist.
  • Wenn Sie Rollenspiele oder ähnliches machen, braucht er*sie eine*n Partner*in zum Vorlesen. Möglicherweise ist es sinnvoll, Texte oder Arbeitsblätter schon vorab zu schicken.
  • Das Wichtigste zum Schluss: Fragen Sie! Fragen Sie einfach nach, was er*sie von Ihnen braucht und behandeln Sie die Person ansonsten ebenso wie die anderen. Fragen Sie am besten schon vor der Veranstaltung, so dass Sie weder Zeit verlieren noch zusätzliche Aufmerksamkeit auf die Beeinträchtigung lenken.

Wir möchten niemanden aufgrund einer Beeinträchtigung oder eines anderen Merkmals von Prozessen oder aus Veranstaltungen ausschließen. Gleichwohl  gelingt es uns leider nicht immer, Veranstaltungen barrierefrei zu gestalten. Wir begreifen dies als Lernprozess, und versuchen auch im Prozess Dinge zu ändern, um Beteiligung möglich zu machen. Dazu lernen wir oft, viel und gerne von den Teilnehmenden unserer Veranstaltungen, von solchen mit Beeinträchtigung besonders. Sprechen Sie uns an. Willkommen! Wir lernen noch. Am liebsten gemeinsam voneinander.

Dieser Blogartikel wurde von unserer Berater*innen Carla Riedel und Albert Eckert nach einem gemeinsamen Einsatz verfasst.

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