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Besuch beim Fortbildungsprogramm für Kulturjournalisten aus dem Arabischen Raum

Elf junge Journalist/innen aus dem arabischen Raum, die sich in ihren Heimatländern mit Kultur auseinandersetzen und kulturschaffend tätig sind, legen der Berliner Kunst- und Kulturszene den Finger an den Puls. Auf Einladung des Goethe-Instituts durchlaufen sie ein von denkmodell konzipiertes vierwöchiges Trainingsprogramm.

Neben Methoden der Kulturreflexion und Kulturkritik steht vor allem der Austausch auf der Agenda: Der Dialog mit deutschen Journalist/innen, Künstler/innen und Kulturschaffenden in Deutschland eröffnet neue Perspektiven. Das „Fortbildungsprogramm für Kulturjournalist/innen aus dem Arabischen Raum“ soll außerdem die Grundlage für ein tragfähiges innerarabisches Netzwerk schaffen, das den Austausch zwischen Journalist/innen aus arabischen Ländern und mit Beteiligten in Deutschland erleichtert.

Bei der Auswahl der Exkursionen, Referent/innen und Kulturveranstaltungen schöpft das Trainingsprogramm aus einer breiten Palette von Hochkultur bis Underground. Theoretische Inhalte aus der Kommunikations- und Medientheorie wechseln sich ab mit Themen, die das eigene Dasein als Journalist/in betreffen, wie die Ausbildung von Nachwuchsjournalist/innen, ein Überblick über die deutsche Medienlandschaft und das deutsche Presserecht. Oder es gibt ganz praktische Tipps, zum Beispiel „How to pitch in Western media“. An die vier Wochen Training schließt sich eine zwei- bis vierwöchige Hospitationsphase an, in der die Teilnehmenden bei einer deutschen Redaktion Themenbereiche vertiefen können, die sie besonders interessieren.

Impulse für die Aufklärung

Dass Kulturberichterstattung eine gestalterische und gleichzeitig seismografische Funktion für gesellschaftlichen Wandel übernehmen kann, war gleich in der ersten Woche Thema: Bei der Diskussion über Nachrichtenwerte und journalistische Rollenverständnisse wurde schnell klar, dass die Teilnehmenden – ob aus Gaza, dem Libanon, Marokko oder Ägypten – ihre Aufgabe als Kulturjournalist/innen vor allem darin sehen, mit ihrer Berichterstattung aufzuklären, Fakten ans Licht zu bringen und die Öffentlichkeit aufzurütteln. In Ländern, in denen die Regierung bestimmte gesellschaftliche Themen als bedrohlich ansieht, kann Kultur und das Berichten über Kultur oft mehr erreichen als explizite politische Botschaften. Den Herausforderungen bei der Arbeit in Kontexten, wo die freie Meinungsäußerung nicht garantiert ist, trägt das Programm mit Übungseinheiten zur sicheren Nutzung des Internets und zum unauffälligen Einsatz von Smartphones bei der Berichterstattung Rechnung.

Ein Spaziergang ist das Training für die jungen Schreiber/innen allerdings nicht: Das Vollzeit-Trainingsprogramm setzt sich aus interaktiven Lern- und Übungseinheiten zusammen, die pro Woche durch zwei bis drei Besuche bei Redaktionshäusern und Kulturveranstaltungen und durch Vorträge oder Gesprächsrunden ergänzt werden. Wer danach noch Energie hat, nimmt am kulturellen Rahmenprogramm teil oder erkundet auf eigene Faust die kulturelle Vielfalt Berlins.

Die Nähe zur Praxis ist dabei stets präsent. Nicht zuletzt dadurch, dass die Teilnehmenden auf ihrem Blog auf der Website des Goethe-Instituts ihre Erfahrungen und Eindrücke stets live berichten und so parallel zum Training „echte“ journalistische Stücke veröffentlichen. Und wenn man die jungen Journalist/innen auf ihren Streifzügen durch Berlins urbane Kulturstätten begleitet, dann stellt man fest, dass sie tatsächlich die meiste Zeit den Finger, ja genau, am Smartphone haben.

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