Riten in Nadelstreifen?

Autor: Dirk Jung


Die Wiederentdeckung des Rituals in Management und Beratung


Woran denken Sie, wenn Sie das Wort „Ritual“ hören? An Hexensabbath, Voodoo-Puppen, Schwarze Messen und Zaubersprüche? Oder an Taufen, Geburtstage und Beerdigungen? Haben Sie „gedient“ – dann vielleicht an den Morgenappell mit Fahne hissen, militärische Grußformen und Marschlieder singen? Konnten Sie als Kind ohne Gutenachtgeschichte auch nicht einschlafen? Reichen Sie Ihrem Gegenüber die Hand zur Begrüßung? Was tun Sie, um am Ende des Arbeitstages den Feierabend einzuläuten? Beobachten Sie vielleicht Ihren Lebenspartner, wie er jeden Morgen sein Frühstücksei auf eine ganz bestimmte Weise köpft, die Schale fein zerkrümelt und halbkreisförmig auf dem Teller anordnet - und fragen sich dabei, ob das noch eine skurrile Angewohnheit ist oder schon ein Ritual? Auf diese Frage kommen wir am Ende dieses Artikels noch einmal zurück…

Zuweilen liest man auch irritierende Zeitungsmeldungen wie z.B. die vom
15.01.2006 im Sportteil der FAZ. Darin wird nicht nur berichtet, dass der der 1.FC  Köln den Schweizer Hanspeter Latour als neuen Trainer verpflichtet hat, sondern auch, dass Latour bei seinem letzten Sportclub die gesamte Mannschaft durch eine Autowaschanlage hatte laufen lassen, um sie von vergangenem Frust zu reinigen…

Beginnen wir mit der schwierigsten, weil akademischsten Frage: Was ist überhaupt ein Ritual? Ein Blick in die offene Internet-Enzyklopädie „Wikipedia“ hilft da weiter. Das Thema wird fast naturgemäß von Ethnologen beherrscht, die vermutlich jahrelang um folgende Definition gerungen haben:

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