Macht und Beratung - Gang über ein vermintes Gelände

Autor: Dirk Jung


Macht ist „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht" (Max Weber, Soziologe)

„Obwohl Macht und Wandel zusammengehören wie siamesische Zwillinge, wird zwar viel über Veränderungsprozesse geschrieben, aber wenig über Macht"
(Roswita Königswieser, prominente Organisationsberaterin)

Eine typische Workshopsituation: Die teamorientiert denkende Führungskraft lauscht still und mit zunehmendem Unbehagen der heftigen Debatte ihrer Mitarbeiter, die nun schon eine Stunde dauert und sich immer auswegloser verheddert. Immer häufiger werden hilfesuchende Blicke in Richtung Führungskraft geworfen, die sich aber passiv verhält. Bis sie schließlich in der Kaffeepause vom Moderator zur Seite genommen und bedrängt wird: "Sie müssen jetzt eine Entscheidung treffen. Sonst sitzen wir heute Abend noch hier!" „Meinen Sie wirklich? Aber wir haben doch noch gar keinen Konsens erzielt!" „Den werden wir auch nicht erzielen. Sie müssen selbst entscheiden! Sie sind der Chef!" Als die Führungskraft daraufhin nach der Pause verkündet, sie habe nach Anhörung aller Argumente eine Entscheidung getroffen, ist das Seufzen der Erleichterung deutlicher zu hören als das Grummeln der Unzufriedenen.

Warum tun sich Führungskräfte so schwer beim Umgang mit der Macht? Wie sollen Berater1 mit ihr umgehen?

 

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