Visualisiert werden die Gesprächsergebnisse nacheinander von allen Gruppen eines Tisches möglichst kreativ auf derselben Papiertischdecke (oder einem dazu umfunktionierten Flipchart). So entsteht ein lebendes Dokument der Diskussion, das hinterher weiterverarbeitet oder auch nur ausgestellt werden kann. Diese Grundelemente eines Weltcafés können natürlich vielfältig variiert werden.
Auch der diesjährige Deutsche Evangelische Kirchentag, der vom 20. bis 24. Mai 2009 in Bremen stattfand, hat als eine von über 2000 Veranstaltungen ein Weltcafé angeboten. Die Moderatoren von denkmodell® - Michael Zillich und Jutta Bangel - haben das Weltcafé, das hier „Reflexionscafé" oder auch „Tischgespräch" genannt wurde, an zwei Tagen jeweils 3 Stunden in den historisch-imposanten Räumen des Rathaussaals moderiert, mit 250 und ca. 280 Teilnehmenden.
Die Anzahl der Teilnehmenden war schon an sich eine moderative und logistische Herausforderung - das Thema "Israel-Palästina. Und wir?" war es ebenfalls. Das Anliegen des Projektleitungsteams war, mit dem Weltcafé Reflexion und Austausch darüber anzustoßen, was Christen selbst motiviert, sich mit der Situation in Israel-Palästina zu befassen, welche Bilder sie dazu in sich tragen und woher diese stammen. Zu fragen, welche selbst gesetzten Grenzen die Beschäftigung mit Israel-Palästina beeinflussen und wie diese Grenzen eventuell erweitert werden könnten.
Dabei sollten möglichst nicht noch einmal die alten Muster zum Thema Israel und Palästina aktiviert werden wie in früheren Veranstaltungen, die meist als Podiumsdiskussionen eine eher konfrontative Form annahmen. Es ging ebenso wenig darum, anderen Ratschläge zu geben, was "man" dort tun müsse....
Die Fokussierung auf das eigentliche Anliegen war insbesondere am zweiten Tag zu spüren. Hier unterstützte die Anmoderation die Teilnehmenden darin, die reflexive Haltung einzunehmen und auch die Gruppenzusammensetzung half, die Themen aus verschiedenen Perspektiven diskutieren zu können - die Altersspanne reichte von etwa 14 bis ca. 80 Jahren. Wie etliche Teilnehmende berichteten, waren die Gespräche daher sehr lebhaft.
Es wurde jeweils parallel mit drei Fragen in drei Gesprächsrunden diskutiert, wobei fast alle Teilnehmenden sich mit allen drei Fragen in unterschiedlicher Reihenfolge befasst haben:
- Was bewegt mich zur Auseinandersetzung mit Israel-Palästina?
- Was prägt mein Bild von Israel-Palästina, und wie könnte es aus anderer Perspektive aussehen?
- Wo setze ich persönlich Grenzen in der Beschäftigung mit Israel-Palästina

Die beiden Moderatoren waren beeindruckt von der Zusammenarbeit des gesamten Teams. Phänomenal war die Unterstützung der freiwilligen Helfer. Die Teilnehmenden ließen sich auf die Leitfragen ein, tauschten sich intensiv miteinander aus. Viele Gesprächsteilnehmer kamen nach der Veranstaltung auf die Moderatoren zu, um zu danken und zu betonen, wie wichtig diese Veranstaltung war, wie wichtig es war, zu reflektieren und so viele ihnen bisher fremde Menschen zum Austausch zu treffen.
Wie so oft bei Moderationen war die meiste Arbeit schon vor der Veranstaltung geleistet worden. Das Projektteam hat sich intensiv - erst allein und dann mit den Moderatoren - inhaltlich auseinandergesetzt und logistisch vorbereitet. So konnten sich dann einige Mitglieder des Projektteams während der Veranstaltung beruhigt auf ihre Rolle als TischgastgeberInnen einlassen. Und die Veranstalter? Sie waren - trotz anfänglicher Bedenken über die Offenheit des Weltcafés - froh, diese Veranstaltungsform gewählt zu haben.
Weitere Infos gefällig? Interessiert?
Hier der „Klassiker" aus dem Internet.
http://www.theworldcafe.com/translations/Germancafetogo.pdf
Wenn es ein Buch sein soll:
Juanita Brown, David Isaacs: Das World Café. Kreative Zukunftsgestaltung in Organisationen und Gesellschaft. Mit einem Vorwort von Peter Senge, Carl Auer Verlag, 2007, ISBN 978-3-89670-588-4